Hunde verstehen

Wenn ein Hund knurrt, brummt, die Rückenhaar aufstellt oder die Augen zusammenkneift, ist es wichtig, die Situation richtig zu beurteilen. Oft kommt es zu Missverständnissen.

Missverständnis 1: Wenn ein Hund knurrt, ist das immer eine ernst zu nehmende Warnung, dass er beißen wird, wenn man ihn nicht in Ruhe lässt.

Natürlich ist ein tiefes und kehliges Knurren eine Drohung, die man ernst nehmen sollte.  Ein Hund der spielt, knurrt aber ebenfalls häufig. Das kann man sehr gut beobachten, wenn z. B. zwei Hunde miteinander spielen oder man ein Zieh- und Zerrspiel mit seinem Hund spielt. Dieses Knurren hat nichts mit Aggression zu tun und ist überhaupt nicht gefährlich.

Viele Hunde knurren bzw. brummen auch, wenn sie sich auf ihren Schlafplatz legen, genüsslich in etwas wälzen oder wenn man sie ausgiebig streichelt. Auch dieses Knurren bzw. Brummen hat nichts mit Aggression zu tun. Der Hund zeigt dadurch, dass er sich durch und durch wohl fühlt und z.B. das Streicheln sehr genießt.

Manche Hunde „reden“ auch, wenn sie einen ihnen bekannten Menschen begrüßen und sich freuen. Bei dieser Mischung aus Knurren und Brummen handelt es sich häufig um mehrere kurze Laute, die schnell hintereinander kommen. Auch dieses Knurren ist überhaupt nicht gefährlich und nicht als Drohung zu verstehen. 

Hat ein Hund Schmerzen und Sie kommen dieser Stelle sehr nahe oder berühren sie, kann ein Hund ebenfalls knurren. Dies ist eine gut gemeinte Warnung, dass Sie stoppen sollen.

Knurr- oder Brummgeräusche kann ein Hund auch abgeben, wenn ihn etwas sehr stresst. Vielleicht möchte er gerade ungestört an einem Kauknochen nagen, aber ständig stört ihn jemand dabei. Ein Knurren sollte in diesem Fall ernst genommen werden, denn der Hund möchte endlich seine Ruhe haben.

Für ein nachvollziehbares Knurren sollte der Hund nicht geschimpft werden, schließlich handelt es sich hierbei um ein Kommunikationsmittel. Wird dieses unterdrückt, ist nicht auszuschließen, dass ein Hund in einer ähnlichen Situation darauf verzichtet und gleich zuschnappt.

 

Missverständnis 2: Ein Hund der die Zähne bleckt, ist immer aggressiv

Hier ist wichtig, den ganzen Hund zu betrachten und darauf zu achten, welche und wie viele Zähne zu sehen sind. Sind die langen Reißzähne zu sehen, handelt es sich um ein aggressives, offensives Drohen. Viele Hunde, z. B. Dalmatiner, können aber wie wir Menschen, „lachen“. Sie zeigen die vorderen Schneidezähne, wenn sie ihren Menschen begrüßen. Gegenüber anderen Hunden wird dieses Verhalten so gut wie nie gezeigt. Es gibt zwar unter Hunden ein unterwürfiges „Grinsen“, das gegenüber ranghöheren Rudelmitgliedern gezeigt wird, aber es ist wahrscheinlicher, dass unsere domestizierten Hunde sich dieses „Lächeln“ von uns Menschen abgeschaut haben, denn sie haben gelernt, dass wir etwas Schönes und Freundliches damit verbinden und uns auch freuen, wenn sie uns damit begrüßen.  

Ein Hund, der von einem anderen Hund bedrängt oder aufdringlich beschnuppert wird und das nicht möchte, kann durch ein kurzes Zähneblecken bzw. in die Luft schnappen zeigen, dass er den Kontakt nicht möchte. Häufig sieht man dieses Verhalten bei Hündinnen, die einen Rüden abwehren möchten. Es kann auch vorkommen, dass Hunde dieses Verhalten gegenüber einem Menschen zeigen der sie streicheln möchte und alle Beschwichtigungs- und Abwehrsignale ignoriert, bzw. nicht versteht. Dieser Hund hat nicht vor zu beißen, sondern schnappt bewusst in die Luft. Er möchte nur deutlich machen, dass er in Ruhe gelassen werden möchte, aber er möchte niemanden verletzen.

Missverständnis 3: Ein Hund der die Rückenhaare aufstellt, ist gefährlich und aggressiv

Es gibt Rassen wie den Rhodesian Ridgeback oder den Tai Ridgeback und deren Mischlinge, die rassetypisch immer das Fell auf dem Rücken aufgestellt tragen und das auch nicht verändern können. Das Aufstellen der Haare kann auch ein Zeichen von Unsicherheit und Unwohlsein sein. Auch ein Hund der sehr aufgeregt ist und gleich seinem Ball, einem Hasen, etc. hinterher jagen möchte, stellt seine Rückenhaare auf. Begegnen sich zwei Rüden, kann das Aufstellen der Rückenhaare ein Imponierverhalten darstellen. Hier sind die Haare meist nur im Schulterbereich aufgestellt und der Hund bewegt sich steif und macht sich so groß wie möglich. Den Schwanz trägt er dabei ebenfalls so hoch wie möglich.

Hunde mit kurzem Fell und wenig bzw. überhaupt keiner Unterwolle stellen ihr Fell oft auf, wenn es sehr kalt ist und sie frieren. Der Hund kann das Aufstellen der Haare nicht bewusst steuern, und deshalb weder aktiv herbeiführen, noch bewusst verhindern. Die Haare stellen sich reflexartig auf, wenn der Hund unter Stress steht und entsprechende Hormone ausgeschüttet werden.

Missverständnis 4: Ein Hund der die Augen zusammenkneift, wird gleich angreifen

Wenn die Sonne sehr hell scheint oder der Hund sich in einem Raum mit sehr heller Beleuchtung befindet, dann kneift er die Augen zusammen, um nicht direkt in das unangenehme Licht sehen zu müssen. Auch hier handelt es sich wieder um einen Reflex, der einen Schutz der Augen gewährleistet. Ein Hütehund, wie z. B. der Border Collie, kneift die Augen zusammen, wenn er hoch konzentriert ist und seine Schafherde hütet. Ein Hund der sich sehr wohl fühlt, weil er z. B. gerade ausgiebig gestreichelt wird, kneift seine Augen zusammen und drückt sein Wohlbefinden damit aus. Aber es kann natürlich auch ein Zeichen höchster Erregung und Konzentration sein, in der der Hund kurz vor einem Kampf mit einem Rivalen steht.

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