Ängstlicher Hund - was tun?

Jeder Hund hat vor irgend etwas Angst. Was aber, wenn der Hund sich nicht mehr aus dem Haus traut oder beim kleinsten Geräusch panisch flüchtet? Lernen Sie Angsthunde zu verstehen und ihnen zu helfen.

Angst und Evolution

Angst ist ein evolutionsstabiles Verhalten, das weder wegtrainiert, noch weggezüchtet werden kann. Nur die Tiere, die Angst vor gefährlichen Dingen hatten, haben sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht und somit überlebt. Durch dieses Anpassungsverhalten an ihre Umwelt, haben sie lange genug überlebt, um erfolgreich Nachwuchs zu bekommen und aufzuziehen. Die „Angstgene“ wurden also ständig von Generation zu Generation weiter vererbt. Für die Entstehung von Angst sind zum einen Lernprozesse, zum anderen aber auch wichtige genetisch determinierte Auslöse, von Bedeutung. Diese Auslöser haben sich während der Evolutionsgeschichte enwickelt und stehen jedem Tier von Geburt an zur Verfügung. Solche angeborenen Auslöser sind vor allem dann wichtig, wenn ein Lernen, dass bestimmte Dinge gefährlich sind, nicht möglich ist, weil es nach einem ersten Kontakt keinen Zweiten mehr geben wird.

Reale Angst

Wie wir gesehen haben, ist die Angst ein wichtiges Phänomen, das das Überleben des Tieres bzw. seiner gesamten Art sicher stellen kann. Es handelt sich um eine Warnung, damit sich das Tier vor einer potentiellen Gefahr rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Das Tier wird in Alarmbereitschaft versetzt und darauf vorbereitet, sich schnell vor einer Gefahr in Sicherheit zu bringen oder aber, die Gefahr zu bekämpfen und das eigene Überleben zu sichern. Es werden nicht nur alle Sinne aktiviert, sondern auch die notwendige Energie zur Verfügung gestellt.

Mit welchem Verhalten das Tier reagiert, hängt erheblich von der Art der Bedrohung und den bisher gemachten Erfahrungen ab. Ein wichtiges Merkmal von realer, also berechtigter Angst, ist, dass sie in ihrer Intensität an die Nähe und das Ausmaß der Bedrohung angepasst ist und sofort wieder verschwindet, nachdem die Bedrohung vorbei ist bzw. erfolgreich vertrieben oder besiegt werden konnte. Diese gesunde und natürliche Form der Angst kann durch kein Training verhindert bzw. beeinflusst werden. Sie hat sich im Laufe der Evolution als lebenswichtige Anpassungsreaktion an die Umwelt bewährt. Beispiele für reale Angst sind Feuer, Schmerzen, gefährliche Tiere wie Schlangen oder Raubtiere, drohende Artgenossen.

Irrationale Angst

Die ungesunde oder auch irrationale Form von Angst erfüllt keine lebensrettenden Funktionen. Sie ist weder an Art und Ausmaß der Bedrohung angepasst, noch trägt sie dazu bei, die Lebensqualität des Tieres aufrecht zu erhalten bzw. zu steigern. Genau das Gegenteil ist der Fall, denn durch die permanente Ausschüttung von Stresshormonen wird vom Organismus sehr viel Energie unnötig verbraucht und das Tier kommt niemals wirklich zur Ruhe, um verbrauchte Energien wieder zurück gewinnen zu können. Häufig ist es so, dass das Tier auf jeden noch so kleinen Reiz, der eine unangenehme Situation ankündigen könnte, sofort mit einer panikartigen Flucht oder unkontrolliertem Aggressionsverhalten reagiert.

Es ist auch möglich, dass das Tier „wie gelähmt“ wirkt und sich in seinem normalen Alltag überhaupt nicht mehr angemessen bewegen und verhalten kann. Steigert sich die Angst weiter, sind die Reaktionen des Tieres vollkommen übertrieben und unangemessen und es reagiert auf jede Kleinigkeit mit kopflosem Panikverhalten. Hier spricht man dann auch von einer sog. Panikattacke. Ein weiteres Merkmal dieser irrationalen Angst ist, dass sie den Organismus nicht wieder zur Ruhe kommen lässt und nicht wieder verschwindet, sobald die potentielle Gefahr verschwunden ist. Durch die ständigen Stressreaktionen und den damit verbundenen Abläufen im Körper, wird der Organismus auf Dauer geschädigt und die Lebensqualität des Tieres immer mehr beeinträchtigt. Diese Angst hat keine Funktion und hat sich auch nicht als evolutionsstabil erwiesen. Sie kann und muss mit Hilfe geeigneter Therapiemaßnahmen verändert und dem Tier damit seine Lebensqualität zurück gegeben werden. Beispiele für irrationale Angst sind Geräusche aus weiter Ferne, vorbeifahrende Autos oder wehende Fahnen.

Therapie für ängstliche Hunde

Bei Angsthunden ist die Prognose immer sehr vorsichtig zu stellen, denn sie sind in den meisten Fällen sehr therapieresistent. Es ist zwar häufig möglich, eine deutliche Verbesserung zu erreichen, aber gerade bei schwer traumatisierten Hunden oder Hunden aus dem Ausland kann in der Regel nicht erreicht werden, dass sie überhaupt keine Angst mehr haben und in allen Situationen entspannt bleiben können. Wichtig ist es hier, vor allem das Vertrauen zwischen Hund und Mensch zu fördern, damit der Hund lernt, dass er sich immer und überall auf seinen Menschen verlassen kann und somit Schutz bei diesem sucht, wenn er nicht weiter weiß. Hiermit kann der Stress deutlich vermindert werden und es kann nicht passieren, dass der Hund z.B. panisch auf die Straße läuft.


Es gibt allerdings auch Fälle, in denen sehr schwere und sogar phobieartige Angststörungen erfolgreich therapiert werden können. Das setzt jedoch voraus, dass der Halter sehr viel Zeit in das Training investiert und über einen langen Zeitraum mit seinem Hund trainiert. Das Ergebnis, ist die Mühe aber auf jeden Fall wert!  Der erste Schritt ist immer, die Ursache der Angst herauszufinden, da alles Andere keinen Erfolg verspricht. Die Therapie echter Angststörungen gehört immer in die Hand eines erfahrenen Therapeuten bzw. Trainers, denn es gibt niemals DEN einen Weg, sondern das Training muss immer individuell an die Situation und den Hund angepasst werden.

Achtung vor falschen Ratschlägen!

Das Ziel von Angst ist immer, möglichst schnell, möglichst viel Raum zwischen sich selbst und den angstauslösenden Reiz zu bringen. Die Distanz soll also vergrößert werden. Immer noch wird behauptet, dass man die Angst des Hundes verstärken würde, wenn man ihm Aufmerksamkeit schenkt oder ihn gar schützend in den Arm nimmt. Das ist nicht richtig! Hier unsere Ratschläge, wenn Ihr Hund Angst hat.

Individuelle Beratung:
Benötigen Sie zu diesem Thema zusätzliche Informationen oder wünschen eine individuelle Beratung? Unsere Hundepsychologin Alexandra Hoffmann hilft Ihnen gerne weiter.

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