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Welche Gesetze und Regeln gelten für Hunde im Auto?
In Deutschland gibt es für Hunde zwar keine klassische Anschnallpflicht, dennoch sind die gesetzlichen Vorgaben für den Transport eindeutig. Laut Straßenverkehrsordnung (StVO § 22) gelten Hunde im Auto rechtlich als „Ladung“.
- Die Vorschrift besagt unmissverständlich: „Die Ladung ist so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen oder herabfallen kann.“
Auf den Hund übertragen bedeutet dies, dass er sich während der Fahrt unter keinen Umständen ungesichert und frei im Innenraum des Autos aufhalten darf. Wer seinen Vierbeiner nicht verkehrssicher unterbringt, muss mit einem Bußgeld rechnen.
- Ein ungesicherter Hund kostet aktuell ein Bußgeld von 35 Euro.
- Kommt es durch das ungesicherte Tier zu einer Gefährdung im Straßenverkehr oder gar zu einem Unfall mit Sachbeschädigung, steigt das Bußgeld auf bis zu 75 Euro an und es wird ein Punkt in Flensburg fällig.
Erschwerend kommt hinzu, dass ein ungesicherter Hund im Schadensfall massive Probleme mit der Kfz-Versicherung nach sich ziehen kann. Lenkt der Hund den Fahrer ab und verursacht so einen Unfall, werten viele Versicherungen dies als grobe Fahrlässigkeit – was dazu führen kann, dass die Schadensregulierung gekürzt oder gänzlich verweigert wird.
Vorsicht bei Auslandsreisen: Andere Länder, strengere Regeln
Im europäischen Ausland sind die Regeln teilweise sogar strenger als in Deutschland und Verstöße können mehr kosten:
- In Frankreich riskieren Hundehalter ohne gesicherten Transport bis zu 375 € Bußgeld.
- In Österreich reicht der Strafrahmen für einen ungesicherten Hund bei einem besonders schweren Verstoß bis zu 5.000 €.
Auch in Italien und Spanien ist die strikte Sicherung – am besten durch eine fest verankerte Hundebox für das Auto – Pflicht. Werden mehrere Hunde transportiert, ist in Italien die Unterbringung in einzelnen Boxen oder im hinteren Bereich – getrennt durch ein Gitter – vorgeschrieben.
➔ Wer mit seinem Hund in den Urlaub fährt, sollte sich vorab über die lokalen Bestimmungen informieren.
Welche Gefahr besteht für einen ungesicherten Hund im Auto?
Der ADAC führt regelmäßig Crash-Tests mit Tierdummys durch, um die Risiken für ungesicherte Hunde und Insassen zu untersuchen. Die Ergebnisse sind erschreckend, denn bei einem abrupten Stopp oder Unfall entwickeln sich im Fahrzeuginneren enorme Fliehkräfte:
- Ein ungesicherter Hund wird bei einem Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h mit dem rund 25-fachen seines Eigengewichts nach vorne geschleudert. Er prallt dadurch mit einer Wucht von über 500 Kilogramm gegen die Vordersitze oder die Windschutzscheibe.
- Bei höheren Geschwindigkeiten können die Beschleunigungskräfte theoretisch auch mal auf das 40- bis 50-Fache ansteigen und so bis zu einer Tonne Beschleunigungsmasse entwickeln.
Damit wird der ungesicherte Vierbeiner unweigerlich zu einem lebensgefährlichen Geschoss. Bei einem Unfall ist somit nicht nur das Verletzungsrisiko für alle menschlichen Mitreisenden extrem hoch, sondern die Sicherheit des Hundes selbst ist in höchstem Maße gefährdet.
Wie sichere ich meinen Hund im Auto?
Es gibt grundsätzlich drei gängige Methoden, einen Hund im Auto zu unterbringen. Doch Vorsicht: Nicht alle erfüllen die gesetzlichen Anforderungen an die Ladungssicherung und längst nicht alle bieten echten Schutz bei einem Unfall.
Wir zeigen Ihnen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme im Überblick:
1. Trenngitter und Schutznetz
Diese Systeme trennen den Kofferraum (in Kombis oder SUVs) von der Fahrgastzelle ab. Hier muss massiv zwischen billigen Netzen und stabilen Gittern unterschieden werden.
- Schutznetze:
Tests haben gezeigt, dass einfache Nylon-Schutznetze so gut wie wirkungslos sind. Sie erfüllen lediglich den Zweck, den Hund während einer normalen Fahrt davon abzuhalten, nach vorne zu klettern. Bei einem Unfall zerreißen sie durch die Wucht des Aufpralls sofort und die "Ladung Hund" wird durch das Auto geschleudert. - Stabile Trenngitter:
Wesentlich sicherer sind fest montierte Trenngitter aus Metall. Sie stellen einen sehr guten Schutz für die menschlichen Insassen dar, da der Hund nicht in den Passagierraum fliegen kann.
Ist der Hund im großen Laderaum hinter dem Gitter nicht zusätzlich gesichert (z.B. angeschnallt), ist sein eigenes Verletzungsrisiko extrem hoch, da er bei einem Crash ungebremst gegen das Gitter oder die Innenwände prallt.
2. Die Transportbox
Der ADAC hat durch zahlreiche Tests bestätigt: Eine stabile Transportbox im Kofferraum ist die sicherste Variante der Beförderung für Mensch und Tier. Aber auch hier gibt es gewaltige Unterschiede:
- Material:
Stoffboxen oder dünne Kunststoffkennels bieten nur bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten Schutz. Bei einem Aufprall mit höherer Geschwindigkeit können sie brechen oder reißen. Am bewährtesten und sichersten sind stabile Boxen aus Metall oder Aluminium, die fest im Fahrzeug verankert sind (am besten quer zur Fahrtrichtung direkt an der Rücksitzlehne). - Größe:
Die Box sollte bequem ausgepolstert sein. Die Faustregel für die Größe lautet: Der Hund muss darin bequem liegen, stehen und sich umdrehen können. Sie darf jedoch keinesfalls zu großzügig bemessen sein, da der Hund sonst bei einem Unfall mit zu viel Schwung innerhalb der Box herumgeschleudert wird, was zu schweren Verletzungen führt.
3. Anschnallgurt
Kleine und mittelgroße Hund werden häufig auf dem Rücksitz transportiert. Für sie gibt es spezielle Gurtsysteme. Große Hunde sollten aus Platz- und Sicherheitsgründen besser in einer Box im Laderaum mitfahren.
- Niemals am Halsband!
Die wichtigste Regel lautet: Ein Hund darf im Auto niemals am Halsband angeschnallt werden. Bei einer Bremsung würde dies zu tödlichen Halsverletzungen führen. Es muss zwingend ein stabiles, breites Brustgeschirr verwendet werden. - Die richtige Länge:
Das Verbindungsstück (der Gurtadapter für das Gurtschloss) muss korrekt eingestellt sein. Es sollte lang genug sein, damit der Hund sitzen oder liegen kann, aber so kurz wie möglich, um bei einem Unfall die Vorverlagerung des Hundes zu minimieren. Zu lange Gurte führen zu einem gefährlichen "Peitscheneffekt" beim Aufprall.
Wie gewöhne ich meinen Hund an eine Transportbox?
Wer über die Anschaffung einer Transportbox nachdenkt, fragt sich oft: Wird mein Hund sie überhaupt akzeptieren? Bei manchen Hunden ist die Sorge unbegründet, andere weigern sich zunächst strikt, die Box zu betreten. Mit Zwang erreichen Sie hier nichts – der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld und positive Verstärkung.
So klappt die Gewöhnung in vier einfachen Schritten:
- Schritt 1: Die Box als kuschelige Höhle
Stellen Sie die Box zunächst nicht ins Auto, sondern offen in die Wohnung. Verwandeln Sie sie in einen gemütlichen Rückzugsort: Legen Sie die Lieblingsdecke und ein begehrtes Spielzeug hinein. Belohnen Sie von Anfang an jegliches Interesse an der Box mit lobenden Worten und Leckerlis. Der Hund soll lernen, die Box freiwillig und gerne zum Ausruhen aufzusuchen.
- Schritt 2: Die Tür schließen
Bleibt der Hund entspannt in der Box liegen, können Sie den nächsten Schritt wagen: Schließen Sie hin und wieder für einen kurzen Moment die Tür. Öffnen Sie sie wieder, bevor der Hund unruhig wird. Steigern Sie diese Zeiträume langsam.
- Schritt 3: Der Umzug ins Auto
Klappt das Liegen bei geschlossener Tür in der Wohnung problemlos, wird die Box im Auto sicher montiert. Lassen Sie den Hund nun im stehenden Fahrzeug in die Box einsteigen und belohnen Sie ihn ausgiebig.
- Schritt 4: Die ersten kurzen Fahrten
Planen Sie nicht gleich einen stundenlangen Ausflug! Testen Sie die Akzeptanz zunächst bei laufendem Motor im Stand oder bei einer kurzen Fahrt um den Block.
Die wichtigste Grundregel: Haben Sie Geduld und schimpfen Sie Ihren Hund niemals, wenn er ängstlich ist oder noch Probleme macht. Bestrafung verknüpft die Box mit negativen Gefühlen. Gehen Sie in so einem Fall lieber wieder einen Trainingsschritt zurück, sonst müssen Sie mit der Eingewöhnung vielleicht wieder ganz von vorn anfangen.
Den Hund ans Autofahren gewöhnen
Ob für Reisen, Fahrten zu Hunde-Events oder für weiter entfernte Gassirunden – die meisten Hunde kommen nicht um gelegentliche Autofahrten herum. Viele von ihnen stresst die Fahrt aber. Das hängt oft mit negativen Erfahrungen zusammen. Oftmals führt die erste Autofahrt im Leben direkt zum Tierarzt – ein Erlebnis, das bei den wenigsten Tieren Begeisterung auslöst. Auch Hunde aus dem Auslandstierschutz haben häufig eine stundenlange, stressige und laute Reise in einem Transporter hinter sich. Ähnlich unangenehm verknüpft ist eine Autofahrt für Welpen mit der abrupten Trennung von Mutter und Wurfgeschwistern.
Es ist also absolut verständlich, wenn das Auto anfangs mit Stress, Angst oder Unwohlsein verbunden ist. Umso wichtiger ist es, von Beginn an aktiv an einer positiven Verbindung zu arbeiten. Mit diesen Tipps wird Ihr Hund schrittweise zum entspannten Beifahrer:
- Positive Verknüpfung schaffen:
Loben und belohnen Sie Ihren Hund jedes Mal ausgiebig, wenn er (freiwillig) ins Auto einsteigt. Nehmen Sie dieses Verhalten gerade am Anfang niemals als Selbstverständlichkeit hin. - Kein Zwang:
Zwingen Sie das Tier nicht ins Fahrzeug. Mit Geduld, ruhigem Zureden und Leckerlis erreichen Sie langfristig weitaus mehr als mit Druck. - Das richtige Ziel ansteuern:
Die erste Fahrt im neuen Zuhause sollte auf keinen Fall gleich wieder auf dem Behandlungstisch des Tierarztes enden. Fahren Sie stattdessen eine kurze Strecke ins Grüne und belohnen Sie den Hund im Anschluss mit einem tollen Spaziergang. So lernt er: Autofahren bedeutet, dass gleich etwas Großartiges passiert!
Planen Sie anfangs nur sehr kurze Strecken ein und passen Sie Ihre Fahrweise an den tierischen Passagier an. Fahren Sie besonders sanft durch Kurven und vermeiden Sie abruptes Bremsen, damit der Hund nicht hin- und herrutscht. Nur wenn er körperlich Halt findet, kann er sich im Auto auch entspannen.
Autor: Thomas Brodmann, vom Team der TIEREXPERTEN
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