Der Welpe beißt ständig – was tun?

Überlegen Sie sich frühzeitig, ob es für Sie in Ordnung ist, wenn der Welpe Sie oder jemand anderen spielerisch in die Hand beißt. Ansonsten sollten Sie rechtzeitig und angemessen darauf reagieren.

Alle Welpen beißen

Eine natürliche Beißhemmung gibt es nicht – so viel muss jedem Hundebesitzer klar sein. Glücklicherweise lernen Welpen durch ihre Wurfgeschwister recht schnell, dass es gar nicht gut ankommt, wenn sie zu fest zubeißen. Denn dann müssen sie mit zweierlei Reaktion rechnen: Entweder der andere Welpe beißt ebenfalls stark zu oder er jault kurz auf und wendet sich ab. Beide Fälle sind für einen spielfreudigen Welpen enttäuschend, denn das lustige Raufen ist erst einmal unterbrochen. Geschieht dies mehrmals hintereinander, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit sein Verhalten ändern und zukünftig etwas vorsichtiger sein. Dann wird man nicht selbst zu heftig gebissen oder der andere wendet sich einfach ab.

Wenn der Welpe den Mensch beißt

Sobald der Welpe in seinem neuen Zuhause angekommen ist, müssen Sie sich überlegen, ob es für Sie in Ordnung ist, dass der Welpe Sie grundsätzlich in die Hand beißt. Wenn Sie darauf freudig reagieren und ihn ermuntern weiter zu machen, wird er dies verinnerlichen. So lange Welpen klein sind, ist das verkraftbar. Doch schnell wird der Hund größer und ein Biss von ihm kann schmerzhaft sein. Es ist daher anzuraten, entweder das Beißen in die Hand komplett zu vermeiden oder eine Beißhemmung anzutrainieren. Dieses ist nicht schwer und empfiehlt sich bei jedem Welpen, damit er eine natürliche Hemmschwelle aufbaut, einen Menschen zu beißen.

Wie trainiere ich die Beißhemmung?

Wenn Sie dem Welpen grundsätzlich nicht erlauben möchten, mit Ihrer Hand zu spielen, dann halten Sie einfach immer genügend Spielzeug parat und lassen Sie ihn darauf rumkauen. Oder aber machen Sie es, wie er es bei seinen Geschwistern kennengelernt hat: Rufen Sie "Aua" oder beißen Sie zurück! Die meisten entscheiden sich für Variante eins, bei der Sie in dem Moment, wo der Welpe zu fest zubeißt, mit einem lauten und deutlichen „Autsch", "Aua" oder "Aus“ reagieren. Gleichzeitig beenden Sie sofort das Spiel und wenden sich ab. Aber denken Sie daran: Sie müssen überzeugend herüberkommen. Grinsen, lustiges Zureden oder „manchmal lass' ich es ihm durchgehen“ sind absolut kontraproduktiv. Der Hund braucht klare Regeln, die er verstehen und verinnerlichen kann.

Nach zehn bis zwanzig Sekunden können Sie das Spiel fortsetzen. Wundern Sie sich nicht, wenn der Welpe Sie erneut etwas zu fest beißt. So schnell geht die Umsetzung nicht. Vielleicht benötigt der Welpe 20 kleine Lektionen, vielleicht auch mehr, bis er es kapiert hat. Sie können auch noch eine Stufe weitergehen, indem Sie sich nicht nur abwenden, sondern das Zimmer verlassen und das Spiel für einige Minuten komplett unterbrechen. Oder aber Sie probieren es mit Variante zwei: Auch hierbei ist überzeugendes Auftreten notwendig, damit der Welpe versteht, um was es geht. Dazu müssen Sie sich in die Lage eines anderen Welpen bzw. der Mutterhündin versetzen. Exakt in dem Moment, in dem er zubeißt, müssen Sie kurz „den bösen Wolf“ mimen. Machen Sie sich groß, erstarren und fixieren Sie den kleinen, knurren Sie und deuten Sie mit einem entsprechenden Laut an, Sie würden zubeißen. Das sollte auch bei unwilligen Kandidaten Wirkung zeigen.

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So nicht!

Egal, ob der Welpe in ein Hosenbein beißt, sich an Möbeln vergreift oder Sie selbst etwas zu sehr zwickt – das alles ist niemals ein Grund, den Hund zu schlagen! Er wird auch nicht im Nacken geschüttelt, mit einem Schlüsselbund beworfen oder wild zusammengeschrieen. Denken Sie immer daran, dass es während der wichtigen Welpenphase darum geht, eine vertrauensvolle Bindung zum Hund aufzubauen. Sie ist der Grundstock für Erfolg in der Hundeerziehung. Maßregelungen sollten also nicht in der Form stattfinden, dass sie die Bindung zum Hund gefährden könnten. Auf der anderen Seite darf man die Erziehung auch nicht schleifen lassen. Regeln sind wichtig für ein gutes Zusammenleben.

Was Sie vermeiden sollten

Züchter wissen es sehr genau: Auch wenn die einzelnen Welpen in einem Wurf alle sehr ähnlich aussehen mögen – sie können vom Charakter her deutlich abweichen. Neben dem Durchschnitt gibt es immer den einen oder anderen, der eher zurückhaltend oder eher ruppig ist. Bei Draufgängern, die schon frühzeitig relativ aufmüpfig sind, sollten Beiß- und Zerrspiele eher vermieden werden, um sie nicht weiter aufzustacheln. Stattdessen sollte man es mit Denk-, Apportier- oder Schnüffelspielen versuchen, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Bei einem zurückhaltenden Hund kann es dagegen von Vorteil sein, wenn es auch mal ein weniger wilder zugeht und er kleine Erfolge feiern kann, um sein Selbstwertgefühl zu steigern.  

Ebenso sollten Sie je nach Hund (Größe, Charakter) überlegen, ob Raufspiele sinnvoll sind, wenn Sie Kinder haben. Denn wenn der Hund Sie leicht beißt und Ihnen das gar nichts ausmacht, könnte es bei feinen Kinderhänden bereits zu kleinen Verletzungen führen. Ein wichtiger Faktor ist, wie groß und verständnisvoll die Kinder sind. Wenn Sie Zweifel daran haben, dass dies gut funktioniert, dann verwenden Sie immer ein Spielzeug und gehen Sie wie oben beschrieben vor, auch wenn der Hund Sie nur leicht beißt. Weitere Infos finden Sie auch in unserem Artikel Hund und Kind.