Hundeerziehung ohne Stress

Immer noch gibt es in der Hundeerziehung „zwei Lager“. Die einen setzen auf Druck – die anderen auf Belohnung, Lob und Spaß! 20 Tipps für eine Hundeerziehung ohne Stress!

Positive Verstärkung

Es gibt zwar immer noch viele Rassebeschreibungen und Meinungen, die davon ausgehen, dass ein Hund grundsätzlich immer alles tut, um seinem Menschen zu gefallen und dass das die größte Belohnung für ihn sei, aber wenn man einmal vernünftig über diese Aussage nachdenkt, kommt man schnell zu dem Schluss, dass es so etwas nicht wirklich geben kann.

Bei der spielerischen Erziehung gehorcht bzw. schließt sich der Hund seinem Menschen an, weil es sich für ihn loht. Diese Erziehungsmethode arbeitet mit positiver Verstärkung und belohnt den Hund für erwünschtes Verhalten. Sie ist sicherlich deutlich stressfreier als mit Druck zu arbeiten.

Die Grundbausteine sind:

  1. Jeder Hund wird grundsätzlich als vollwertiges Familienmitglied mit Gefühlen und Bedürfnissen, angesehen und deshalb auch als eigene Persönlichkeit respektiert.
  2. Die Basis für jede Mensch/Hund Beziehung, ist Vertrauen! Der Hund muss als Erstes lernen, dass sein Mensch immer für ihn da ist und er sich auf ihn verlassen kann. Bevor der Hund sich nicht an seinem Menschen orientiert und diesen mit positiven Gefühlen in Verbindung bringt, wird jedes Training scheitern.
  3. Der Hund muss weder bedingungslos untergeordnet, noch unterworfen werden! Der Hund muss sich natürlich an gewisse Regeln halten und braucht klare Grenzen, denn er darf weder zu einer Gefahr für sich selbst, noch für andere werden. Trotzdem müssen immer die natürlichen Bedürfnisse des Hundes berücksichtigt werden.
  4. Das "Zauberwort" heißt nicht "Unterordnung", sondern RESPEKT und zwar von beiden Seiten.
  5. Das Wichtigste in der Beziehung Mensch/Hund ist, dass es sich um eine echte Beziehung handelt in der der Hund jederzeit spürt, dass er willkommen ist und geliebt wird. Fühlt sich der Hund abgelehnt bzw. als Belastung, kommt es schnell zu unerwünschtem Verhalten. 
  6. Jeder Hund hat individuelle Vorlieben, Abneigungen, Talente, Möglichkeiten, Bedürfnisse, Individualdistanz, etc. und diese müssen bei der Erziehung und Verhaltenstherapie berücksichtigt werden. 
  7. Bevor vom Hund erwartet werden kann, dass er sich „richtig“ verhält, muss er erst einmal die Chance bekommen zu lernen, was denn überhaupt richtig ist. Er soll sich also nicht aus Angst unterwerfen und eigene Bedürfnisse aufgeben, sondern freiwillig und gerne mit seinem Menschen zusammen arbeiten.
  8. Es ist sinnlos, wenn der Hund nur bestraft wird, wenn er etwas falsch macht, wenn ihm niemand zeigt, was er statt dessen hätte tun sollen. (Denken Sie nur einmal wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie eine neue Arbeitsstelle antreten und Ihnen niemand sagt, was Ihre Aufgaben sind – für jeden Fehler werden Sie aber hart gemaßregelt...)
  9. Es wird mit Belohnungen und positiver Motivation, gearbeitet. Es muss sich für den Hund immer lohnen zu gehorchen und damit seine eigenen Vorlieben in der jeweiligen Situation hinter die Wünsche des Menschen zu stellen (Leckerchen, Spiel, Streicheln), denn schließlich geht auch niemand von Ihnen täglich zur Arbeit, ohne dafür entlohnt zu werden.
  10. Möchte man ein Verhalten des Hundes beeinflussen, muss man mit ihm kommunizieren. Das bedeutet, er wird nicht einfach zum Befehlsempfänger degradiert, sondern als echter Kommunikationspartner betrachtet. Nur wenn der Hund seinen Menschen auch verstehen kann – dessen Botschaften also bei ihm ankommen – kann er lernen bzw. sein Verhalten verändern.
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  1. Wird ein Hund nicht artgerecht gehalten, hat er also zu wenig Auslauf, Ansprache, geistige Auslastung, Sozialkontakte, etc., so ist jedes Training von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Hund möchte durch sein Verhalten nur zeigen, dass er sich nicht wohl fühlt und kein zufriedenes Leben führt.
  2. Mit Gewalt und falsch verstandener Dominanz, erreicht man beim Hund nur, dass man seine Glaubwürdigkeit verliert und in seinen Augen schwach ist. Denn nur wer selbst schwach ist, hat es nötig, andere zu unterdrücken.
  3. Der Mensch muss seinen Hund respektieren und ihn dementsprechend behandeln. Allerdings wird natürlich auch vom Hund verlangt, dass er sich dem Menschen gegenüber respektvoll benimmt. Dem Hund wird z. B. nicht erlaubt, den Menschen einfach umzurennen.
  4. Viel wichtiger, als den Hund für jeden Fehler zu bestrafen, ist ihn für alles was er gut macht, sofort und überschwänglich zu loben und zu belohnen. Leider wird erwünschtes Verhalten viel zu oft als selbstverständlich angesehen und überhaupt nicht beachtet. Der Hund lernt also, dass er die Aufmerksamkeit seines Menschen nur durch unerwünschtes Verhalten bekommen kann. Er soll aber genau das Gegenteil lernen, nämlich, dass er sich Lob und Aufmerksamkeit nur durch erwünschtes Verhalten verdienen kann. 
  5. Der Mensch muss für den Hund ein verlässlicher Partner werden, dem der Hund vertrauen kann und der unmissverständlich mit ihm kommuniziert. Für den Hund muss klar sein, dass er sich in jeder Situation auf seinen Menschen verlassen kann und dass der Mensch es ist, der in Gefahrensituationen entscheidet und für das Wohl von Mensch und Hund verantwortlich ist.

  1. Der Mensch darf kein grundlos und unberechenbar aggressives Verhalten zeigen und versuchen, dem Hund immer und in allen Situationen klar zu machen, dass er der "Chef" ist, sondern er muss zuverlässig, berechenbar und wohlwollend sein, dass sich ihm der Hund freiwillig und gerne anschließt und sich freut, wenn er etwas gemeinsam mit seinem Menschen machen darf.
  2. Bei allem was der Mensch mit seinem Hund macht, ist Konsequenz sehr wichtig. Der Hund muss also genau wissen was erlaubt ist und was nicht, denn nur so kann er sein Leben unter Kontrolle bekommen und die Folgen seines Verhaltens einschätzen.
  3. Der Mensch muss verstehen, dass der Hund die meisten seiner Verhaltensweisen nicht zeigt, um ihn zu ärgern, sich zu rächen, sondern immer nur versucht, es sich so angenehm wie möglich zu machen und sich seine unmittelbaren Wünsche und Ziele bzw. Bedürfnisse zu erfüllen. 
  4. Bei bestimmten Verhaltensweisen geht es leider nicht immer ganz ohne Strafe. Hier gilt allerdings auf jeden Fall „So viel Strafe wie nötig, so wenig wie möglich“. 
    a. Es wird niemals der Hund bestraft, sondern immer nur das unerwünschte Verhalten. 
    b. Jede Strafe muss vom Hund eindeutig verstanden werden und diese muss hundegerecht sein. 
    c. Die Strafe muss jedes Mal auf das unerwünschte Verhalten folgen und ein richtiges Timing ist sehr wichtig. 
    d. Einen Hund stunden- oder gar tagelang zu ignorieren, ist Tierquälerei. 
    e. Einen Spaziergang ausfallen zu lassen, weil der Hund vor Stunden etwas falsch gemacht hat, wird der Hund nicht verstehen! 
    f. Der Hund wird niemals geschlagen oder sonst irgendwelche körperliche Gewalt angewandt.
  5. Strafen die der Hund verstehen kann, sind z. B.:
    a. Wegstecken eines schon herausgeholten Leckerchens, nachdem der Hund nicht sitzen geblieben ist.
    b. Ignorieren des unerwünschten Verhaltens (aber sofortiges Belohnen des erwünschten Verhaltens).
    c. Kurze Auszeit (nur wenige Sekunden oder 1 bis 2 Minuten) 
    d. Spielabbruch, wenn er in die Hände beißt
    e. Konsequentes und unmissverständliches Unterbrechen eines unewünschten Verhaltens (ohne Gewalt!). Ganz wichtig ist hier, dass das unerwünschte Verhalten nicht nur unterbrochen wird, sondern dass der Hund auch eine Alternative angeboten bekommt, für die er anschließend sofort wieder belohnt werden kann.