Hunde verstehen lernen

Hunde richtig zu verstehen, ist gar nicht immer so einfach. Das sind die häufigsten Missverständnisse.

Missverständnis 1: Ein Hund der mit dem Schwanz wedelt, freut sich immer und ist auf jeden Fall freundlich

Häufig freut er sich wirklich, aber das Schwanzwedeln ,dient nicht in erster Linie dem Ausdruck von Freude. Ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt, befindet sich in erster Linie in einem Erregungszustand. Dieser Erregungszustand, kann zum einen Freude, aber auch Aufregung, Angst, Unsicherheit oder Aggression bedeuten. Es ist also immer wichtig, den ganzen Hund und die Situation, in der er sich befindet, zu beachten.

Missverständnis 2: Wenn ein Hund knurrt, ist das immer eine ernst zu nehmende Warnung dass er beißen wird, wenn man ihn nicht in Ruhe lässt.

Natürlich ist ein tiefes und kehliges Knurren eine Drohung, die man ernst nehmen sollte.  Ein Hund der spielt, knurrt aber ebenfalls häufig. Das kann man sehr gut beobachten, wenn z. B. zwei Hunde miteinander spielen oder man ein Zieh- und Zerrspiel mit seinem Hund spielt. Dieses Knurren hat nichts mit Aggression zu tun, und ist überhaupt nicht gefährlich. Viele Hunde knurren bzw. brummen, wenn sie sich auf ihren Schlafplatz legen, genüsslich in etwas wälzen oder wenn man sie ausgiebig streichelt. Auch dieses Knurren bzw. Brummen, hat nichts mit Aggression zu tun. Der Hund zeigt dadurch, dass er sich durch und durch wohl fühlt und das Streicheln sehr genießt. Manche Hunde „reden“ auch, wenn sie einen ihnen bekannten Menschen begrüßen und sich freuen. Bei dieser Mischung aus Knurren und Brummen, handelt es sich häufig um mehrere kurze Laute die schnell hintereinander kommen. Auch dieses Knurren ist überhaupt nicht gefährlich und nicht als Drohung zu verstehen. 

Missverständnis 3: Jeder Hund der sich duckt und den Schwanz zwischen die Hinterbeine nimmt, hat Angst.

Es ist möglich, dass ein solcher Hund Angst hat, es muss aber nicht so sein.  Viele Hunde zeigen dieses Verhalten, wenn ein anderer Hund ihnen zu aufdringlich wird. Häufig zeigen es Hündinnen, wenn ein Rüde an ihnen riechen möchte und sie das nicht wollen. Auch gegenüber Menschen, wird es manchmal gezeigt. Der Hund hat keine Angst, sondern möchte nur eindeutig zeigen, dass er keinerlei Interesse an dem Kontakt hat und in Ruhe gelassen werden möchte. Wenn eine Hündin den Schwanz zwischen die Hinterbeine nimmt, dann verhindert sie dadurch auch, dass der Rüde an ihr schnuppern kann. Mit Angst hat das dann nichts zu tun.

Missverständnis 4: Jeder Hund der sich mit gesenktem Kopf anschleicht, droht und ist gefährlich.

Bei Hütehundrassen, wie z. B. dem Border Collie, zählt dieses Verhalten zum rassetypischen Normalverhalten. Er läuft in dieser Art und Weise um seine Schafherde herum und hütet diese. Diese Hunde nähern sich auch anderen Hunden und Menschen auf diese Weise. Häufig tragen diese Hunde den Schwanz auch sehr tief, oder ziehen ihn sogar unter den Bauch. Das hat nichts mit Angst zu tun, sondern gehört zu seinem hochkonzentrierten und ritualisierten Hüteverhalten. Viele Hunde ducken sich auch und legen sich nach einigen Schritten ganz hin, wenn sie einen anderen Hund kommen sehen. Oft handelt es sich hier nicht um Aggression bzw. eine Drohung, sondern um eine Art Lauerstellung. Der Hund ist sich noch nicht sicher wie er reagieren soll, und wartet aus diesem Grund erst einmal ab. Wenn der Hund sich klein macht, dann beschwichtigt er auch gleichzeitig sein Gegenüber und verhindert, dass er evtl. angegriffen wird.

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Den Hund richtig verstehen

Missverständnis 5: Ein Hund der die Zähne bleckt, ist immer aggressiv

Hier ist wichtig, den ganzen Hund zu betrachten und darauf zu achten, welche und wie viele Zähne zu sehen sind. Sind die langen Reißzähne zu sehen, handelt es sich um ein aggressives, offensives Drohen. Viele Hunde, z. B. Dalmatiner, können aber wie wir Menschen, „lachen“. Sie zeigen die vorderen Schneidezähne, wenn sie ihren Menschen begrüßen. Gegenüber anderen Hunden wird dieses Verhalten so gut wie nie gezeigt. Es gibt zwar unter Hunden ein unterwürfiges „Grinsen“, das gegenüber ranghöheren Rudelmitgliedern gezeigt wird, aber es ist wahrscheinlicher, dass unsere domestizierten Hunde sich dieses „Lächeln“ von uns Menschen abgeschaut haben, denn sie haben gelernt, dass wir etwas Schönes und Freundliches damit verbinden und uns auch freuen, wenn sie uns damit begrüßen.  

Ein Hund, der von einem anderen Hund bedrängt oder aufdringlich beschnuppert wird und das nicht möchte, kann durch ein kurzes Zähneblecken bzw. in die Luft schnappen zeigen, dass er den Kontakt nicht möchte. Häufig sieht man dieses Verhalten bei Hündinnen, die einen Rüden abwehren möchten. Es kann auch vorkommen, dass Hunde dieses Verhalten gegenüber einem Menschen zeigen der sie streicheln möchte und alle Beschwichtigungs- und Abwehrsignale ignoriert, bzw. nicht versteht. Dieser Hund hat nicht vor zu beißen, sondern schnappt bewusst in die Luft. Er möchte nur deutlich machen, dass er in Ruhe gelassen werden möchte, aber er möchte niemanden verletzen.

Missverständnis 6: Ein Hund der die Rückenhaare aufstellt, ist gefährlich und aggressiv

Es gibt Rassen wie den Rhodesian Ridgeback oder den Tai Ridgeback und deren Mischlinge, die rassetypisch immer das Fell auf dem Rücken aufgestellt tragen und das auch nicht verändern können. Das Aufstellen der Haare kann auch ein Zeichen von Unsicherheit und Unwohlsein sein. Auch ein Hund der sehr aufgeregt ist und gleich seinem Ball, einem Hasen, etc. hinterher jagen möchte, stellt seine Rückenhaare auf. Begegnen sich zwei Rüden, kann das Aufstellen der Rückenhaare ein Imponierverhalten darstellen. Hier sind die Haare meist nur im Schulterbereich aufgestellt und der Hund bewegt sich steif und macht sich so groß wie möglich. Den Schwanz trägt er dabei ebenfalls so hoch wie möglich. Bei Hunden mit kurzem Fell und wenig bzw. überhaupt keiner Unterwolle, stellen ihr Fell oft auf, wenn es sehr kalt ist und sie frieren. Der Hund kann das Aufstellen der Haare nicht bewusst steuern, und deshalb weder aktiv herbeiführen, noch bewusst verhindern. Die Haare stellen sich reflexartig auf, wenn der Hund unter Stress steht und entsprechende Hormone ausgeschüttet werden.

Missverständnis 7: Ein Hund der die Augen zusammenkneift, wird gleich angreifen

Wenn die Sonne sehr hell scheint oder der Hund sich in einem Raum mit sehr heller Beleuchtung befindet, dann kneift er die Augen zusammen, um nicht direkt in das unangenehme Licht sehen zu müssen. Auch hier handelt es sich wieder um einen Reflex, der einen Schutz der Augen gewährleistet. Ein Hütehund, wie z. B. der Border Collie, kneift die Augen zusammen, wenn er hoch konzentriert ist und seine Schafherde hütet. Ein Hund der sich sehr wohl fühlt, weil er z. B. gerade ausgiebig gestreichelt wird, kneift seine Augen zusammen und drückt sein Wohlbefinden damit aus. Es kann natürlich auch ein Zeichen höchster Erregung und Konzentration sein, in der der Hund kurz vor einem Kampf mit einem Rivalen steht.